Monika Dicken bringt auch Jungs zum Nähen

Grevenbroich. Aus ausrangierten Materialien oder neuem Stoff fertigt Monika Dicken Textilien. Ihr Können vermittelt sie in Kursen bevorzugt an Kinder. Von Valeska von Dolega

Der erste Kontakt mit Nadel und Faden war für Monika Dicken „eine Katastrophe. Es war so schrecklich, was ich damals nähen musste“, erinnert sie sich an ihre Schulzeit. Schürzen, die nicht attraktiv waren, altmodisches Zeug, das keiner brauchte, sollte sie damals anfertigen.

Zu Studienzeiten – Monika Dicken war für Sonderpädagogik mit Schwerpunkt Freizeitpädagogik und Rollstuhlsport eingeschrieben – während der 1980er Jahre lebte sie in einer Wohngemeinschaft. Eine ihrer Mitbewohnerinnen war eine alleinerziehende Mutter. Über Latzhosen mit Spaghetti-Trägern, Taschen jenseits üblicher Formen und Kleider mit besonderem Tragekomfort fand sie im zweiten Anlauf ein ganz besonderes Hobby.

Und als sie dann von ihrem Patensohn, inzwischen 26 Jahre alt, gebeten wurde, bitte etwas für dessen Freundin zum Kuscheln zu nähen, und auch andere Freunde immer wieder ihre Fähigkeiten als Nähkünstlerin erbaten, stellte sie die Weichen, ihr Hobby professionell zu betreiben. Das liegt jetzt etwa zehn Jahre zurück. Längst gibt sie ihr Wissen in Kursen an der Jugendkunstschule oder der Volkhochschule weiter. Materialkunde, Schnittmuster erstellen und „Fachwörter, die bislang sieben Siegel trugen“ zu entschlüsseln gehören zum Einstieg dazu. „Sie ist die Beste“, lobt Gabriel, einer der bei der Grevenbroicherin den Umgang mit Unterfaden, Spule und Zickzackstich erlernte. „Denn sie erklärt nicht alles auf einen Schlag“, genau das sei „wichtig, Anfängern mit spielerischen Elementen den Umgang mit Maschinen – das ist das A und O – näher zu bringen. „Ich kann nicht nähen“ sei ein oft gehörter Vorwand, der sich im Nu als falsch herausstelle. „Unter Anleitung basteln sich die Schüler aus Stoff alles Mögliche. Decken, Taschen und andere „Gebrauchsgegenstände, nie Stehrümchen“. Vier Maschinen nennt sie ihr eigen, „die ,Pfaff 9′ ist 60plus wie ich“, jede unterscheidet sich in ihrer Bedienung und kann unterschiedliche Stoffe mit schnurgeraden Nähten versehen.

Sie selbst ist die „totale Resteverwerterin“, nicht nur für Patchwork-Decken arbeitet sie lauter Stückwerk. „Restposten zu etwas Neuem zu machen ist meine Leidenschaft“, umschreibt sie das Neudeutsche Upcycling. Ihrer Meinung nach lohnt sich die Zweitverwertung bei allem, so werden aus Gardinenstoffen Taschen oder der zerrissenen Jeans Miniröcke. Textilien fabriziert sie gerne in Kooperation mit Claudia Schäfer, einer befreundeten Schneidermeisterin. „Da kann ich mir Tricks abschauen“ und bin „mehr die Assistentin“.

Handarbeiten sind längst wieder en vogue. Diese alten Fähigkeiten zu beherrschen, machen laut Monika Dicken nicht nur „Spaß, sie sind wichtig für die geistige Entwicklung“. Außerdem fördern sie die Konzentrationsfähigkeit. „Und am Ende sind immer alle stolz, was sie da selbst gemacht haben.“

Quelle: NGZ
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