Überlingen: Kunst live in der Gunzoburg

Beim Sommeratelier des Internationalen Bodensee Clubs (IBC) in der Überlinger Galerie Gunzoburg haben die Besucher die Gelegenheit, den Künstlern über die Schultern zu schauen und Fragen zu stellen.

Kunstwerke sind Endprodukte eines oft langwierigen Schaffensprozesses, der dem Betrachter in der Regel verborgen bleibt. In der Galerie Gunzoburg in Überlingen lassen sich derzeit Künstler des IBC bei der Arbeit über die Schulter schauen, stellen sich ganz bewusst den Fragen der Besucher, erläutern ihre Vorgehensweise, erklären gestalterische Entscheidungsprozesse, zeigen Arbeitsprozesse auf.

  • Angelika Brackrock hantiert für ihr neues Objekt mit Vlies, handelsübliches Material aus dem Baumarkt, Meterware, flexibel, formbar und bemalbar. Gerne benutzt sie für ihre Objekte auch Pappe, Zeitungspapier oder vorgefertigte Versatzstücke wie Wattepads oder Eierschachteln. Aus einer Utensilienkiste kramt sie Draht, Schnüre, Klebestreifen. Ihr Arbeitstisch gleicht einer Werkbank. Scheren, Zangen, Tacker. An der Wand hängen einige fertige Objekte, die an fantastische Pflanzen erinnern, an Geschöpfe aus den Untiefen des Ozeans, Korallen, Algenstränge, florale Elemente, gigantisch vergrößerte Viren oder skurrile Lebensformen von fernen Planeten.

    Eine Auswahl verschiedener Objekte zeigt Angelika Brackrock. Eine Auswahl verschiedener Objekte zeigt Angelika Brackrock. | Bild: Erwin Niederer

    Das dreidimensionale Arbeiten in Form von Objektmontagen, das ist Angelika Brackrocks Reich. Dabei verfolgt sie ein Grundprinzip, das sich praktisch durch all ihre Arbeiten zieht: Reihung gleichartiger Elemente, serielle Anhäufung in fantasievollen Variation und letztendlich der Zusammenschluss aller Teile zu einer Gesamtkomposition, einem organisch erscheinenden Gebilde mit ausgeprägter Identität.

    Tripode – 1. Arbeitsschritt: Pappeschablone und Schnittmuster. Tripode – 1. Arbeitsschritt: Pappeschablone und Schnittmuster.

    Dabei spielt auch die Bemalung eine große Rolle. Durch Farbe entrückt sie das teils banale Ausgangsmaterial seiner Alltäglichkeit, schafft eine andere Außenhaut, die in der Gesamtkomposition alle Einzelelemente zu einem großen Ganzen zusammenschließt.

    Tripode – 2. Arbeitsschritt: Ausschneiden aus Vließ und Grundierung. Tripode – 2. Arbeitsschritt: Ausschneiden aus Vließ und Grundierung.

    Auch bei ihrem aktuellen Objekt benutzt sie Formen, die ihre Aufmerksamkeit erregt haben, Tripode aus Beton, wie sie an Gewässern zur Uferbefestigung verwendet werden. Auf dem Tisch liegen aus Pappe gefertigte Modelle, an den Enden und in der Mitte geben Löcher den Blick ins Innere frei. Faltet man alles auseinander, ergeben sich Schnittbögen für die einzelnen Elemente, die dann aus Vlies ausgeschnitten, bemalt und schließlich zu einem fertigen Tripod zusammengefügt werden. Die Einzelelemente werden dann zu einer Gruppe montiert. Weitere Objekte an den Wänden zeigen die Vielfalt der Möglichkeiten und die fast grenzenlose Fantasie von Angelika Brackrock.

    Tripode – 3. Arbeitsschritt: Klebemontage der einzelnen „Füße“, Endbemalung. Tripode – 4. Schritt: Montage der Einzelelemente und Kombination zu einem Gesamtobjekt. Tripode – 4. Schritt: Montage der Einzelelemente und Kombination zu einem Gesamtobjekt.

  • Monika Rosenberger hat vorläufig ihre Zelte in der Galerie abgebrochen, wird aber in der letzten Runde vom 14. bis 19. August wieder dabei sein. Ihre Gemälde sind weitgehend abstrakt. Gestische, spontan gesetzte Elemente dynamisieren die Bildfläche, gegenständliche Andeutungen geben inhaltliche Orientierung. Man ist erstaunt, wie sie arbeitet, wie Intuition und gezielte Gestaltung ineinander greifen. Monika Rosenberger vor einem ihrer Gemälde. Monika Rosenberger vor einem ihrer Gemälde. | Bild: Erwin Niederer
  • Erika Zehle ist ab sofort bis zum Abschluss des Sommerateliers am 19. August auch mit dabei. Sie fertigt teils großformatige Holzschnitte. Sehr schön kann man die einzelnen Arbeitsschritte beobachten, vom Bearbeiten der Holzplatte bis zum kraftaufwendigen Drucken mit der Handwalze. Geschickt kombiniert sie abstrakte Strukturen mit gegenständlichen Elementen, scherenschnittartige Schatten von Insekten, strukturierte Oberflächen, Farb- und Formkontraste. Erika Zehle lässt sich beim Einwalzen eines Druckstocks zuschauen. Erika Zehle lässt sich beim Einwalzen eines Druckstocks zuschauen. | Bild: Erwin Niederer
  • Lars Höllerer lässt sich vom 14. bis 19. August bei der Arbeit beobachten. Vom Hals abwärts gelähmt seit einem Motorradunfall führt der Überlinger den Pinsel geschickt mit dem Mund. Seine Arbeiten sind voller Lebensfreude, Landschaften, fröhliche Menschen, Stillleben. Großformatiger Holzschnitt von Erika Zehle. Großformatiger Holzschnitt von Erika Zehle.

Das Sommeratelier

Das Sommeratelier in der Galerie Gunzoburg in Überlingen läuft noch bis zum 19. August und ist unterschiedlich belegt: Angelika Brackrock ist die ganze Zeit über vertreten. Bis zum 5. August teilte sie den Atelierraum mit Monika Rosenberger und Günter Wiedenhorn. In der aktuellen Schicht arbeitet Angelika Brackrock mit Erika Zehle zusammen vom 7. bis 12. August, jeweils Montag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr. Die letzte Gruppierung an Künstlern setzt sich zusammen aus Lars Höllerer (Mundmaler), Monika Rosenberger, Erika Zehle und Angelika Brackrock vom 14. bis 19. August, Montag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr. Die Künstler freuen sich auf regen Gedankenaustausch. 

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