Neustadt/Spree: Nähen für die Nachhaltigkeit

Nähen für die Nachhaltigkeit Während Franziska Rühlicke (36) aus Zerre während des ersten Upcycling-Workshops im Garten der Spinnerei in Neustadt/Spree alte Stoffstücke zu einem Loop zusammennäht, gibt Kursleiterin Juliane Bränzel (34) ihr hilfreiche Tipps. Foto: Anja Guhlan/ang1

Juliane Bränzel aus Görlitz, die leidenschaftlich gerne näht und auch mit den Initiatoren der Spinnerin in Neustadt befreundet ist, hat zum ersten Mal ihre Erfahrungen im Upcycling-Nähen in einem Workshop an Interessierte weitergegeben. Liebevoll hat sie im Garten der Spinnerei in Neustadt/Spree alles aufgebaut. Tische mit Stühlen für die Nähmaschinen, ein Zelt, wo die alten Stoffe lagern, falls jemand keine alten Stoffe mitbringen konnte und Bücher, die Ideen und Inspirationen geben sollen, was aus den alten Stoffen Neues gezaubert werden könnte.

Drei Teilnehmerinnen sind zu dem ersten Workshop gekommen. Franziska Rühlicke aus Zerre ist eine von ihnen. Sie hat sich einen alten Rock mitgebracht. „Aus dem würde ich heute gerne einen Loop nähen“, erzählt sie. Juliane Bränzel freut sich über die genauen Vorstellungen der Kursteilnehmerin. Das Problem: Im Nähen ist Franziska Rühlicke noch etwas ungeübt. „Das sollte kein Problem sein. Dieser Workshop ist auch für ungeübte Näher ausgelegt“, sagt Juliane Bränzel und lächelt. Die 34-Jährige erklärt der Kursteilnehmerin noch mal die Nähmaschine, lässt sie ein paar Mal zur Probe nähen. Dann geht es los: Franziska Rühlicke trennt Nähte ihres alten Rockes auf, zerschneidet den Stoff in Stücke, um ihn später für den Loop aneinander zu setzen und wieder zusammenzunähen. Juliane Bränzel ist öfters an ihrer Seite, um ihr Tipps zu geben. „Ich finde den Workshop hier richtig toll. Zu Hause finde ich kaum Zeit für das Nähen. Zudem bin ich sehr ungeduldig, wenn mal was nicht klappt. Hier bekommt man gleich die nötigen Tipps und die Hilfe“, sagt die 36-jährige Kursteilnehmerin. Am Ende des vierstündigen Kurses ist ein schöner Loop entstanden, den sich Franziska Rühlicke umhängen kann.

Für Juliane Bränzel ein gutes Ergebnis. „Es ist einfach schön, wenn man aus alten Sachen, die man ansonsten weggeworfen hätte, um sich vielleicht neue Sachen zu holen, wieder neue Lieblingsstücke kreiert“, sagt Juliane Bränzel, der es wichtig ist, aufzuzeigen, wie einfach Nachhaltigkeit ist. „Wir leben heute in einer Welt voller Überfluss. Da können wir allesamt ein paar Ressourcen schonen“, argumentiert Bränzel. Die 34-Jährige näht seit ihrem neuntem Lebensjahr. Vor etwas zwei Jahren hat sie sich ganz intensiv dem Upcycling-Nähen gewidmet. Besonders für ihr Kind hat sie viele neue Kleidungsstücke aus alten Stoffen nähen können. Ob Hose, Oberteil oder für sich selbst eine Gürteltasche für den Garten. „Es ist auch schön, selbst kreativ zu werden und mit der Nähmaschine aus bunten Stoffen etwas Einzigartiges zu zaubern. Am Ende sind das ja alles Unikate“, bemerkt Juliane Bränzel.

Obwohl Upcycling nur ein moderner Begriff ist und die Praxis des Wiederaufwertens eigentlich schon seit Jahrhunderten stattfindet, stört sich Juliane Bränzel nicht an dem Begriff. „Solange es Gutes bewirkt, soll man es nennen, wie man es will“, meint sie. Auf jeden Fall will sie ihren Workshop im Upcycling-Nähen fortsetzen. „Der Auftakt ist gelungen. Vielleicht planen wir im nächsten Jahr mit der Spinnerei wieder einen Workshop“, zieht Juliane Bränzel ihr Fazit.

Zum Thema:
Beim Upcycling werden Abfallprodukte oder scheinbar nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Erstmalige Erwähnung findet der Begriff im Jahr 1994 in einem Artikel der britischen Zeitung Salvo, in dem ein Ingenieur sich für Baustoffrecycling ausspricht und meint „Was wir brauchen ist Up-Cycling, bei dem alte Produkte einen höheren Wert erhalten“. Durch den Schwund natürlicher Ressourcen und durch den gesellschaftlichen Wandel gewinnt das Upcycling weiter an Bedeutung.

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