Die Bank – Bochum – lokalkompass.de

Erinnerungen an meine Kindheit als Bergmannstochter (aufgewachsen am Kolpingplatz – Ferdinand-Lassalle-Straße, Bochum)

Die Bank

Für eine Bank vorm Haus schlug schon immer mein Herz, der Gemütlichkeit halber und vielleicht ein wenig wegen der schönen Erinnerungen an einst.
Dass vor jedem Haus eine Holzbank die Wand, meist frontal schmückte, war nicht ungewöhnlich. Irgendwie machte dieses Bild einen sittsamen Eindruck, besonders wenn Mutter mit der Nachbarin über Strickmuster klönte oder Schnittmuster austauschte. Der mit Wollballen und Stricknadeln gefüllte und unter der Bank verstaute Weidenkorb vervollständigte das mir so vertraute Bild, sowie die klangvoll klappernden Stricknadeln. Es machte mich als Kind unbeschreiblich glücklich, wenn ich beim Spielen mit Nachbars-Kindern Mutter in unmittelbarer Nähe wusste. Mit einem herrlichen Gefühl der Geborgenheit lief ich ständig zu ihr hinüber, sie schnell nebenbei einmal zu drücken oder mir ein Küsschen auf die Wange einzufangen. Mutti war mein Ein und Alles, ganz besonders wenn der geliebte Vati auf der Zeche arbeitete und mir sein Wegbleiben so unendlich lange vorkam. Aber sobald ich von weitem auch nur das leiseste Geräusch seiner Fahrradklingel vernahm, waren sie, die Spielkameraden und der Sandkasten uninteressant. Freudestrahlend rannte ich ihm mit der Geschwindigkeit eines Kometen entgegen, um mir bloß nicht die Runde um den Häuserblock in der Zunftwiese entgehen zu lassen. Fast schon wie ein Ritual handhabten wir die Begrüßungszeremonie, welche grundsätzlich am Küchentisch auf seinem Schoss endete. Ihm beim Essen Gesellschaft zu leisten und vom Eintopfgericht immer wieder kosten zu dürfen, empfand ich als das Größte. Dabei war es keine Seltenheit, wenn er vor lauter Müdigkeit einfach über dem Teller einnickte.
Wie oft rufe ich mir die milden Sommerabende ins Gedächtnis, an denen meine Eltern vor dem Haus auf der Bank mit Freunden und Nachbarn saßen und sich unterhielten. Oft platzierte sich Vater auf dem weiß lackierten Küchenstuhl mit selbst genähtem Stuhlkissen, während Mutter auf der winzigen Treppe zum Hauseingang saß und den Nachbarn die Bank überließ. Manchmal spendierte sie ein Gläschen „Aufgesetzten“, wenn auch nur zu besonderen Anlässen. Wie viel Verständnis und Behaglichkeit von diesem Miteinander ausging, ist heute, glaube ich, kaum noch nachvollziehbar. Mit dieser Aussage will ich auf keinen Fall den Anschein erwecken, vom Realitätssinn verlassen worden zu sein oder gar die Behauptung aufstellen, es hätte niemals so richtig gefetzt. Oh doch, mir ist vollkommen bewusst, dass auch damals Machtkämpfe ausgetragen oder Nachbarschaftsstreitigkeiten beim Schiedsmann geschlichtet wurden.
Gegenüber der heutigen Zeit, wo einer den anderen mit aller Macht versucht zu überbieten und das Materielle vordergründig ist, fiel es damals nicht so schwer, versöhnend aufeinander zuzugehen. Dass Neid, Hochmut und Arroganz unser heutiges Leben bestimmen, wird leider immer öfter durch meter-hohe Lebensbäume an Gartenzäunen und Grundstücksgrenzen deutlich gemacht. Sicherlich erklärt dies auch, warum die Bänke vor den Häusern keine Sitzmöglichkeit bieten, dafür aber kostspielig und aufwendig komplett mit Dekoartikeln besetzt sind.

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