Nach dem Brand: In Rossauer Firma wird weiter genäht

Das Feuer in der Rossauer Firma MIP Europe Anfang Juli hatte an drei großen Kunststoffcontainern und der gesamten Überdachung darüber Schaden angerichtet.

Foto: Falk BernhardtBild 1 / 2

Heike Kuckenberg und Produktionsleiter Eduard Knapheide vor dem sogenannten Eton-System, mit dem die Kleidungsteile per Schiene zu den Näherinnen transportiert werden.

Foto: Falk BernhardtBild 2 / 2

Mehre Millionen Kleidungsstücke für Ärzte, Schwestern und Pflegepersonal stellt die Firma MIP Europe im Jahr her. Die zerstörte Überdachung ist noch nicht wieder aufgebaut.

Von Ute George[1]
erschienen am 07.08.2017

Rossau. 8000 bis 9000 Euro Schaden hat das Feuer Anfang Juli an drei großen Kunststoffcontainern und der gesamten Überdachung darüber auf dem Gelände der Rossauer Firma MIP Europe im Gewerbegebiet Rossau angerichtet. Auch wenn die Höhe des Schadens jetzt feststeht, ist laut Produktionsleiter Eduard Knapheide noch nicht klar, wann die Überdachung wieder ersetzt wird. „Wir müssen zunächst noch einen Gutachter hinzuziehen“, sagt er. Die Produktion sei allerdings nicht gefährdet gewesen. „Aber es war knapp. Hätte es nur ein paar Minuten länger gebrannt, wäre das Feuer auf das Gebäude über gesprungen“, erklärt Knapheide. Die freiwilligen Feuerwehren umliegender Ortschaften konnten den Brand jedoch schnell löschen.

Mittlerweile ist für die 25 Mitarbeiter des Rossauer Herstellers für medizinische Berufskleidung wieder der Alltag eingezogen. Die MIP Europe, eine 100prozentige Tochtergesellschaft der MIP Kanada, näht Kasaks, Kittel, Hosen, OP-Wäsche und ähnliches für Krankenhäuser und Pflegepersonal. „Dabei arbeiten wir aber nicht direkt für die Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtung, sondern erhalten unsere Aufträge von Großwäschereien“, sagt Knap- heide, der erst seit April dieses Jahres die Produktionsstätte leitet. Das macht Sinn, denn die Großwäschereien wüssten am ehesten, wann die Kleidung verschlissen ist und ausgewechselt werden müsse. „Dazu werden kleine Chips eingenäht. Nach einer bestimmten Anzahl von Wäschen werden die Kleidungsstücke automatisch aussortiert“, berichtet Knapheide. Ein Kasak zum Beispiel würde je nach Stoffart etwa 1000Wäschen aushalten.

Mehrere Millionen Teile werden jährlich in Rossau für Kunden vor allem in Deutschland aber auch in Frankreich, Italien und anderen europäischen Ländern genäht. Erst 2016 hatte die Firma in zwei Taschenautomaten investiert, die die Taschen auf die Kittel aufbringen.

Allerdings überwiegt die Handarbeit, die 15 Näherinnen an ganz normalen Nähmaschinen ausführen. Zuvor werden die Zuschnittbilder, also sozusagen die Schnittmuster, im Computer so gelegt, dass die Stoffbahnen optimal genutzt werden können. Die Ausdrucke sind dann die Vorlagen für die Kleidungsteile, die die Näherinnen zusammensetzen. Dafür haben alle an ihren Plätzen einen kleinen Terminal, der ihnen zeigt, welcher Arbeitsschritt gerade dran ist. Über den Köpfen der Frauen hinweg laufen über Schienen, ähnlich einem großen Karussell, die Kleiderbügel mit den Teilen. „Das ist unser Eton-System“, erklärt Heike Kuckenberg, die die Produktion in der Näherei leitet. Früher seien die Kleidungsteile als Bündel zu den Frauen gebracht worden.

Wer glaubt, dass in einer Näherei für medizinische Bekleidung die Farbe Weiß dominiert, irrt. Orange, Apfelgrün, Hellblau, Brombeer, Gelb – an den Kleiderbügeln hängen Teile in allen möglichen Farben. „Da richten wir uns nach den Kundenwünschen“, sagt Heike Kuckenburg. „Die OP-Wäsche war zwar schon immer grün, aber in den Pflegeheimen trägt das Personal mittlerweile freundlichere Farben“, berichtet sie.

Die schönste Farbe kann aber nicht über eine schiefe Naht hinwegtäuschen. „Deshalb gibt es zum Schluss die Endkontrolle“, erklärt Heike Kuckenburg. Anhand der Bügelnummer kann jeder Arbeitsschritt und jede Station, wo der Fehler passiert ist, abgerufen werden.

Der hohe Qualitätsstandart ist laut Knapheide das Erfolgsrezept des Unternehmens. „Und, dass wir zu den wenigen Betrieben gehören, die noch in Deutschland produzieren.“ Das würden die Kunden schätzen. Die allgemeine Auftragslage sei sehr gut, sagt der Produktionsleiter. „Wir haben schon das Problem von Kapazitätsengpässen.“ Daher sei das Team nun dabei, die Betriebsabläufe zu verbessern, um schneller arbeiten und den Lieferterminen gerecht werden zu können.

Fußnoten:

  1. ^ Ute George (www.freiepresse.de)
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