Nähwerkstatt: Eine zweite Chance für Lieblinge

Lilly möchte eine Hose kürzen und zur Shorts machen. Die zehnjährige kommt regelmäßig zur offenen Nähwerkstatt und holt sich Hilfe. Diese bekommt sie von Irmgard Moczinski. Die Ehrenamtlerin ist an jedem Mittwoch im SOS-Kinderdorf-Zentrum und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Moczinski besucht seit fünf Jahren die Handarbeits-Angebote des Zentrums. Als schließlich vor zwei Jahren die Idee einer offenen Nähwerkstatt im SOS-Kinderdorf-Zentrum umgesetzt werden konnte, war sie sofort dabei.

Offen für alle und jeden

Die Hobbyschneiderin steht allen Besuchern mit Rat und Tat zur Seite: Lilly rät sie, die Hose nicht zu kurz abzuschneiden, knapp über dem Knie reicht aus.
Die Nähwerkstatt ist ausdrücklich kein Kurs, sondern ein offenes Angebot.

„Jeder kann herkommen. Es ist auch ein Angebot für Leute, die noch nicht so viel Erfahrung haben“, sagt Monika Lysik, Koordinatorin im SOS-Kinderdorf-Zentrum. Und wer noch gar keine Erfahrung hat, dem erklärt Moczinski zunächst die Bedienung der Maschinen, bevor es daran geht, an diesen zu üben.

Wer keine eigene Maschine hat, ist willkommen

Manche Besucher kommen wöchentlich, so wie Bahriye Erkan. Heute hat sie zwei Hosen ihres Bruders dabei, die gekürzt werden müssen. Beim Abstecken der Säume hilft Moczinski ihr. „Ich lerne von Irmgard sehr viel“, sagt sie.

Die Nähwerkstatt wurde unter anderem auch deshalb eingerichtet, damit Menschen ohne eigene Nähmaschine selber nähen können. Als vor zwei Jahren viele Flüchtlinge nach Bremen kamen, die das Nähen in ihren Heimatländern gelernt hatten, war der Zeitpunkt zur Eröffnung gekommen.

Zwei Stunden für Nähprojekte

Inzwischen waren Besucher aus aller Welt bei Moczinski – dafür hat sie eine Weltkarte aufgehängt, in der bunte Fähnchen stecken. „Jeder, der hier etwas näht, darf ein Fähnchen in sein Land stecken“, sagt sie.

Und auch die anderen Ehrenamtler im Haus nutzen das Angebot und bringen Kleidung zum Ausbessern mit. „Wir versuchen, die Projekte innerhalb von zwei Stunden fertig zu bekommen“, so Moczinski weiter.

Hoffen auf Unterstützung

Und wer aktuell kein Projekt hat, trotzdem aber gerne nähen möchte, für den findet sie eine Aufgabe: „Wir nähen auch für den Handarbeitsbasar, der zweimal im Jahr stattfindet. Es entstehen Kissen, kleine Täschchen für Kosmetik und viel mehr“, sagt die Ehrenamtlerin.

Die Maschinen wurden gespendet oder mithilfe von Spendengeldern gekauft. Derzeit hofft die Freiwillige auf weitere Finanzspritzen, um eine zweite moderne Maschine anschaffen zu können. „Alle reißen sich um das gute Gerät“, verrät sie.

Auch Materialien wie Stoffe und Garne wurden gespendet. Derzeit würde Moczinski sich zudem über eine zuverlässige Unterstützung freuen. „Ich schneidere lieber an Hosen rum, nicht an T-Shirts“, schmunzelt sie.

Die offene Nähwerkstatt findet mittwochs von 15 bis 17 Uhr im SOS-Kinderdorf-Zentrum, Friedrich-Ebert-Straße 101, statt.

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