Luxemburger Wort – Tragbarer Luxus

von Manon Kramp

Sie tragen verheißungsvolle Namen wie „Bonbon“, „Boudoir“, „Minuit“ oder „Le Beau Soleil“ und verführen mit stilvoller Ästhetik. Obwohl das Logo eines Herstellers von Jagdgewehren sie ziert, braucht man für die Handtaschen von Lebeau-Courally keinen Waffenschein.

Das weltweite Renommee des 1865 in Liège gegründeten belgischen Hauses Lebeau-Courally beruht eigentlich auf der Fertigung kunstvoll gravierter Jagdwaffen. Mittlerweile hat die Firma sich aber auch mit der Produktion hochkomplexer Uhren einen Namen gemacht und – seit ein paar Jahren – seine Aktivitäten auf die Fertigung von Lederwaren ausgeweitet. Die doch sehr unterschiedlichen Geschäftszweige verbindet eines: die Liebe zu hochwertigem Handwerk.

Seinen Flagship-Store hat das Haus im mondänen Badeort Knokke, doch hergestellt werden die Handtaschen und Accessoires nicht in Belgien, sondern im französischen Vaux-sous-Aubigny im Departement Haute-Marne. Dort kaufte der belgische Industrielle und Lebau-Courally-Inhaber Joris Ide 2015 die vor der Insolvenz stehende Manufaktur „Maroquinerie P.J. Guené“ auf und ließ sie als „Dijon Maroquinerie“ wieder aufleben. Vormals war das Werk Zulieferer für bekannte Luxusmarken bevor etliche von ihnen wegen niedrigerer Lohnkosten ins Ausland abwanderten. Nun produziert die Manufaktur hier nebst den Handtaschen von Lebeau-Courally unter anderem auch dessen Transporttaschen für Reitartikel sowie maßgeschneiderte Koffer für Rolls-Royce.

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It-Pieces in originellem Design

In einem der geräumigen Ateliers, umgeben von Regalen auf denen Lederhäute in den unterschiedlichsten Farbschattierungen ausgebreitet sind, präsentiert Valentina Milloch die Kollektion. Die junge Italienerin stieß vor zwei Jahren als Designerin zum Team. Davor gestaltete sie Taschen, Schuhe und Accessoires für Modefirmen wie Versace, Moschino, Marni, Diesel oder Armani und war als Kreativchefin für den Relaunch des Labels Mandarina Duck verantwortlich.

Valentina streicht ihre langen blonden Haare aus dem Gesicht und hält eine himmelblaue Handtasche hoch. Sie biegt das geschmeidige Leder des großformatigen Shoppers, sodass Licht durch das fein durchbrochene Rautengitter scheint. „Dies ist unser neues Sommer-Modell ,Le Beau Soleil‘. Eine manuell gestanzte Lochung des Dekors und der Initialen des Unternehmens lockert die strenge Trapezform auf“, erklärt sie und greift dann nach einer kleinen Satteltasche in sattem Orange, die an einer Gliederkette baumelt. Das handliche Modell namens „Bonbon“ besitzt besonders abgesteppte Seitenpartien und ein farblich angepasstes Randfinish. Hingucker ist die kreisrunde Schließe, die auf die Ursprünge des Hauses anspielt indem ihr Mechanismus die Entsperrfunktion eines Gewehres mittels eines Hebels aufgreift. Diese ausgefallene Verschlusstechnik ist das Markenzeichen von Lebeau-Courally und findet sich in zahlreichen Materialausführungen bei anderen Taschen wieder.

„Unsere Handtaschen werden komplett in Handarbeit in den hauseigenen Ateliers gefertigt“, betont die Designerin. Möglich wird dies, weil Lebeau-Courally beim Kauf der Manufaktur nicht nur die Maschinen, sondern auch einen Teil der Belegschaft und damit ein einzigartiges Know-how über die Verarbeitung von Leder übernahm. Alle Arbeitsprozesse können dadurch in Eigenregie durchgeführt werden.

Aus einer Hand

Hinter den großen Fenstern der Werkateliers geht es emsig zu. Erfahrene Mitarbeiter legen komplexe Schnittmuster zurecht, schneiden die kostbaren Lederteile zu und stanzen einzelne Partien anhand von Schablonen oder an großen automatisierten Schnitttischen aus. Der Geruch von Klebstoff mischt sich unter den Duft von Leder. Per Hand werden einzelne Lederschichten und Henkel sorgsam verklebt und anschließend mit schönen Stichen vernäht. Nebenan färbt ein Arbeiter die Schnittkanten passend ein.

„Wir legen großen Wert auf die hohe Qualität der verwendeten Materialien“, sagt die Designerin. Nur makellose Häute würden verwendet werden, selbst für das Innenfutter. Der Korpus von Modellen wie „Boudoir“, „Cosmo“ oder „Origami“ bestünde zum Beispiel aus einem einzigen Stück Leder, das in Form gefaltet wird und dessen ausgeklügelte Grundform eines speziellen Zuschnitts bedarf. Mängel könne man da gar nicht gebrauchen.

Eine Spezialität des Hauses sind übrigens exotische Ledersorten – Python, Alligator und Eidechse. Die empfindlichen Häute benötigen besondere Kenntnisse bei der Veredlung und Verarbeitung. Und solche Qualität hat ihren Preis.

Quelle:

www.wort.lu

Fußnoten:

  1. ^ Alle Fotostrecken (www.wort.lu)
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