Der Kostümfundus war ihr Wohnzimmer

„Irmchen“, so wurde Irmgard Pächnatz von den Mitgliedern des Tanzensembles Fire & Flame liebevoll gerufen. „Sie war unsere Ensemble-Mutti“, erzählt Katrin Herzog, die Vereinsvorsitzende. Dass Irmchen tot ist, gestorben mit 80 Jahren, das hinterlässt eine große Lücke – vor allem menschlich. „Wir verlieren mit Irmgard Pächnatz eine hingebungsvolle, sich aufopfernde, immer einsatzbereite, vorausschauende, mit positiver Ausstrahlung bedachte und begnadete Fürsprecherin der Amateurkunst – insbesondere der Kunst mit Stoffen, Nadel und Faden etwas Besonderes für das Auge des Zuschauers zu schaffen“, sagt Katrin Herzog. Unzählige Kostüme hat sie in den vergangenen Jahren genäht und damit den Zauber auf der Bühne ermöglicht.

Bereits 1973 begann Irmgard Pächnatz, die mit ihrem Mann zuletzt in Treppeln wohnte, sich im Unterhaltungsensemble des Bandstahlkombinates „Hermann Matern“ zu engagieren. Nach der Wende ging daraus Fire & Flame hervor. Noch bis vor einem Jahr war sie Vorstandsmitglied und im Verein tätig. „Wenn ich die vielen Fotos mit den verschiedenen Kostümen sehe, dann kann ich gar nicht glauben, dass ich die alle gemacht habe“, sagte sie kurz nach der Jahrtausendwende rückblickend. Dabei folgten danach noch etliche weitere Kreationen für die Tänzerinnen.

Zu DDR-Zeiten war Irmgard Pächnatz zunächst verantwortlich für die Beschaffung der Stoffe. Gefertigt wurden die Kostüme damals noch durch die Schneiderinnen des Friedrich-Stadt-Palastes. Doch wenn mal ein Knopf fehlte oder eine Naht aufging, dann legte Irmchen Hand an. „Und da konnte sie wirklich zaubern“, erinnert sich Katrin Herzog. Später machte Irmchen alles selbst. Das Rattern der Nähmaschine gehörte zu ihrem Leben. Der Rhythmus der Nadel war wie ein Herzschlag, der Kostümfundus ihr Wohnzimmer. Wie viel ihr das Tanzensemble bedeutete, zeigte sich darin, dass sie all die Kostüme für Fire & Flame ehrenamtlich nähte und pflegte.

Neben dieser Tätigkeit hat sich die zweifache Mutter und mehrfache Oma und Urgroßoma nach Angaben der Vereinsvorsitzenden aber auch immer um die Belange der Kinder und Jugendlichen gekümmert. Kein Wunder, tanzte doch einst auch ihre Tochter in dem Verein. Selbst bei Trainingslagern gehörte Irmgard Pächnatz dazu: Sie betreute die Tänzerinnen und wenn nötig kochte sie sogar – natürlich ganz nach den Wünschen der jungen Damen. Ihre Spaghetti mit Tomatensoße standen hoch im Kurs, auch dort schmeckte man die Liebe, die sie mit jedem Handschlag gab.

Am Freitagnachmittag konnten sich Familie und Freunde bei der Beerdigung auf dem Fürstenberger Friedhof von Irmgard Pächnatz verabschieden. Die Tränen werden lange brauchen, bis sie getrocknet sind. Für das Tanzensemble ist mit „Irmchen“ ein Kapitel zu Ende gegangen. Aber in ihren Kostümen wird sie weiterleben – auf der Bühne und bei den Tänzern.

Quelle:

www.moz.de

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