Mönchengladbach: Nachbarschaft schafft Gemeinschaft

Mönchengladbach. Verena Kell saß gerade neben einer Frau an einer Nähmaschine im Repair-Café, als ein Besucher mit einem kaputten Videorekorder das Mehrgenerationenhaus im Paritätischen Zentrum betrat. Obwohl mit Handwerkern, Bastlern und Elektronikern insgesamt zehn Helfer da waren, um alte oder defekte Lieblingsgegenstände wieder funktionstüchtig zu machen, war niemand in der Lage, den Rekorder wieder zum Leben zu erwecken. „Den müssen wir wohl zu Grabe tragen“, stellte ein Helfer fest. Von Marei Vittinghoff

Doch das Schicksal nahm eine glückliche Wendung: Die Frau, die ihr an der Nähmaschine zur Seite stand, hatte das Geschehen um den Videorekorder mitbekommen, eilte nach Hause und brachte dem freudestrahlenden Café-Gast kurzerhand ein Exemplar mit, dass sie selbst nicht mehr benötigte. „Das war einfach großartig. Es hat sich sofort eine Atmosphäre des Helfens eingestellt“, schwärmt Verena Kell.

Die Szene aus dem Rheydter Repair-Café ist nur eines von vielen Erfolgserlebnissen, die das Nachbarschaftsprojekt des Paritätischen seit Januar 2016 erreicht hat. Auf drei Jahre ist das von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW geförderte Projekt angelegt. In dieser Zeit wollen die beiden einiges erreichen: Die Nachbarschaft rund um das Mehrgenerationenhaus in Rheydt soll lebendig gestaltet werden.

Los ging es mit der Vernetzung von sozialen Einrichtungen im östlichen Teil von Rheydt Mitte. Verena Kell, Sozialarbeiterin, und Sinead Kleikamp, ebenfalls Sozialarbeiterin sowie Kulturpädagogin und -managerin, wollten aber noch weiter gehen. Darum haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, noch konkreter auf die Nachbarn in ihrem Viertel einzugehen. „Wir wollen die Menschen mit schönen Dingen zusammenbringen“, sagt Kleikamp.

Seit Beginn letzten Jahres führen sie darum regelmäßig Nachbarschaftsaktionen durch – von der Stadtteilerkundung bis zum offenen Frühstückstreff. „Alle wünschen sich eine gute Nachbarschaft. Manche wissen nur nicht mehr, wie das geht“, sagt Kell.

Klare Signale schaffen: Das möchten Sinead Kleikamp und Verena Kell auch mit der Erweiterung ihrer Arbeit durch die Nutzung der Internet-Plattform www.nebenan.de[1]. Dort können Nachbarn miteinander in Kontakt treten, sich Nachrichten schreiben. Die Profile zeigen an, wer welche Interessen hat oder welche Gegenstände zum Verleih anbietet und erleichtern so das erste Zusammenkommen. Das Netzwerk ist TÜV-zertifiziert, letztes Jahr gab es den Preis „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen 2016“. Dafür, dass wirklich nur Nachbarn Zugriff auf das quartierseigene Portal haben, sorgen verschiedene Kontrollmöglichkeiten.

Im östlichen Teil von Rheydt Mitte zeigt das Nachbarschafts-Netzwerk laut Kell und Kleikamp schon erste Erfolge: Ein Leseclub ist entstanden, eine Radfahrergruppe und eine Gemeinschaft alleinerziehender Väter. Damit die ersten Treffen nicht direkt bei den Nachbarn zuhause stattfinden müssen, bieten Kleikamp und Kell das Paritätische Zentrum als „neutralen Raum“ an. „Die Rückmeldungen sind komplett positiv“, sagt Sinead Kleikamp, die sich und ihre Kollegin als „Multiplikatoren“ im Viertel sieht. „Alle freuen sich, als sei Nachbarschaft eine ganz neue Idee.“

Quelle: RP

Fußnoten:

  1. ^ www.nebenan.de (www.nebenan.de)
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