Tripp Trapp & Co.: Spielzeug, mit dem sich Design-verliebte Eltern anfreunden können

Aufgehängt

Affe von Kay Bojesen, Dänemark, 1951
Affe von Kay Bojesen, Dänemark, 1951

Quelle: Rosendahl Design Group

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Dieses Tier macht augenblicklich gute Laune: die schwarzen Knopfaugen, das freundliche Grinsen, der runde Bauch und die langen Arme mit den hellen Händen, an denen sich der Affe an Regalen oder Vorhangstangen entlanghangeln kann. Kay Bojesen[1], ein dänischer Silberschmied, der seit 1920 Holzspielzeug fertigte, eröffnete 1932 in Kopenhagen[2] ein Geschäft mit angeschlossener Werkstatt. Das war zu einer Zeit, als Holzspielzeug in der modernen Pädagogik über seinen reinen Spielwert hinaus auch der Entwicklung des Kindes dienen sollte. Bojesens Spielzeug hatte nicht nur klare Formen, sein Ideal war, dass die Linien eines Produktes „lächeln“ sollten. Das ist ihm nicht nur bei seinem Affen gelungen.

Stufe für Stufe

Tripp trapp, Norwegen, 1972
Tripp Trapp, Norwegen, 1972

Quelle: Stokke

Auf Augenhöhe wollte der norwegische Designer Peter Opsvik seinem kleinen Sohn Thor am Esstisch begegnen und begann mit dem Entwurf eines mitwachsenden Stuhles. Um den Stuhl aus Kinderperspektive zu testen, baute er ein Oversize-Modell und setzte sich selbst darauf. Er entschied, dass eine feste Lehne mit in Höhe und Tiefe anpassbarer Sitzfläche und Fußablage am bequemsten seien – und das Fußbrett außerdem das eigenständige Erklettern ermöglichen sollte. Der Tripp Trapp war geboren. Heute gehört der bisher über sieben Millionen mal verkaufte hölzerne Kinderstuhl auf jedes von Interiorbloggern gepostete Familien-Esszimmer-Bild, vorzugsweise in Grau, Weiß oder Lindgrün. Kopien gibt es wahrscheinlich ähnlich viele – genauso wie von dem stapelbaren Hochstuhl „Robust“, den der Schwede Stephan Gip 1962 entworfen hat.

Märchenlandschaft oder lieber Abenteuerspielplatz?

Tuut Tuuut

Brio-Bahn, Schweden, 1958
Brio-Bahn, Schweden, 1958

Ein beliebtes Experiment unter Dreijährigen: Wie viele Waggons kann man aneinanderreihen, bevor die Magnetverbindung sich bei der Auffahrt auf die Brücke löst und der halbe Zug rückwärts die Schienen runterrollt? Und wie muss man die Weichen in die Strecke integrieren, damit der Zug nicht immer die gleiche Schleife fährt? Letzteres ist meist eine Denkaufgabe für die Eltern, die bei jüngeren Kindern für die Streckengestaltung zuständig sind. In manchen Familien wird die Brio-Bahn – viel kopiert, unter anderem auch vom großen blau-gelben Möbelhaus[3] – in dritter Generation bespielt. Inzwischen gibt es zwar auch ICEs und batteriebetriebene Lokomotiven, aber der Reiz dieses Spielzeugs[4] liegt gerade in seinem Low-tech-Appeal. Vorbild für die Gestalt der ersten Brio-Eisenbahn war übrigens ein amerikanischer Zug.

Ab in die Kiste

Christiania Lastenfahrrad, Dänemark, 1984
Christiania Lastenfahrrad, Dänemark, 1984

Quelle: christianiabikes

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Wie transportiert man Kinder und Kram in einem autofreien Stadtteil? Man packt beides in eine Kiste auf Rädern. Vor gut 30 Jahren in der alternativen Siedlung Christiania in Kopenhagen erfunden, hat sich das dreirädrige Lastenfahrrad[5] von Christiania Bikes schnell auch außerhalb der dänischen Hauptstadt etabliert. Inzwischen gibt es das umgedrehte Dreirad (vorne zwei Räder, hinten eins) auch auch mit zwei Bankreihen in der Transportbox, Überdachung und Elektroantrieb. Auch was den sicheren Transport im Auto betrifft, hatten die nordischen Länder die Nase vorn: 1967 war Volvo der erste Autohersteller[6], der einen gegen die Fahrtrichtung installierbaren Kindersitz vorstellte.

Noch eine Alternative
Holz- und Beinbruch

Knochenarbeit

Fischknochenbausatz, Island, 2006
Fischknochenbausatz, Island, 2006

Quelle: Hugdetta

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Bausatz für ein Transformer-Modell oder einen prähistorischen Flugdrachen, ist in Wahrheit ein Set von Fischknochen verschiedener Größe. Die isländische Designerin Róshildur Jónsdóttir vertreibt das Gräten-Modellbau-Kit mit dem hübschen Namen „Something Fishy“ gemeinsam mit ihrem Mann Snæbjörn Por Stéfansson unter dem Label Hugdetta[7] . Ihre Kindheit im Norden Islands[8] hat sie dazu inspiriert: „Es war ziemlich langweilig, weil es nur wenig Kinder gab. Ich habe damals mit Schafsknochen gespielt, denn die waren reichlich vorhanden.“ Über ihr Fischknochen-Kit sagt sie mit einem Augenzwinkern: „Es ist das isländische Lego.“ Die bunten Plastiksteine kommen übrigens auch aus Skandinavien: Lego ist eine dänische Firma.

Fischknochen-Bausatz von Roshildur Jonsdottir
Fischknochen-Bausatz von Roshildur Jonsdottir

Quelle: Hugdetta

Es werde Licht

Little Sun, Dänemark/Island, 2012
Little Sun, Dänemark/Island, 2012

Quelle: Little Sun

Normalerweise installiert Olafur Eliasson[9] Sonnenaufgänge in der Londoner Tate Modern, Wasserfälle im East River vor Manhattan oder einen begehbaren Regenbogen auf dem Kunstmuseum in Aarhus. Seit ein paar Jahren bringt er Licht nach Äthiopien, Uganda, Indien – in Gebiete, wo es keinen Strom gibt. Gemeinsam mit dem dänischen Ingenieur Frederik Ottesen hat der isländisch-dänische Künstler, der in Berlin und Kopenhagen lebt, die Little Sun[10] entworfen. Im Schein der praktisch unkaputtbaren Solarleuchte[11] lernen Kinder Lesen, machen ihre Hausaufgaben, beleuchten ihren Heimweg. Die kleine gelbe Plastiksonnenleuchte ist ein globales Projekt – und auch in Berlin und München ein Verkaufsschlager.

Meditation für Babys

Flensted Mobiles, Dänemark, 1953
Flensted Mobiles, Dänemark, 1953

Quelle: FLENSTED MOBILER ApS

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Ein Mobile zu betrachten hat etwas ähnlich Meditatives wie Fischen in einem Aquarium zuzusehen. Und weil ihr Anblick so beruhigend und gleichzeitig unterhaltsam ist, hängen sie über fast jedem Wickeltisch oder Kinderbett. Schließlich schult ihr sanftes Schweben und Schwingen noch dazu das dreidimensionale Sehen von Babys. Die schönsten macht Flensted aus Dänemark. 1953 baute Christian Flensted zur Taufe seiner Tochter sein erstes Mobile: drei Störche aus Papier, aufgehängt an zwei Strohhalmen. Dieser Klassiker ist bis heute im Programm. Ebenso wie ein abstraktes Modell aus dem Jahr 1955, das an die Arbeiten des US-amerikanischen Bildhauers Alexander Calder erinnert. Inzwischen ist das Unternehmen in dritter Generation in Familienbesitz, gefertigt wird immer noch auf der dänischen Insel Fünen.

Auf dem Holzweg

Peter’s Chair, Dänemark, 1944
Peter’s Chair, Dänemark, 1944

Quelle: Carl Hansen Sön

Skandinavische Architekten[12] und Möbeldesigner hatten nie Scheu, ihre Fertigkeiten für Kinder einzusetzen. Der Däne Hans J. Wegner (1914–2007), dessen Wishbone-Chair gerade den Eames-Chair als Lieblingsstuhl designaffiner Mittvierziger abgelöst hat, gehört zu diesen Gestaltern genauso wie der Finne Alvar Aalto[13] (1898–1976). Wegner brauchte 1944 für den Sohn eines Freundes ein Taufgeschenk, das er flach verpackt verschicken konnte. In seiner Werkstatt schreinerte er „Peter’s Chair“, der gleichzeitig eine Art Steckspiel war, ließ er sich doch ganz ohne Werkzeug zusammensetzen – und wieder auseinandernehmen. Aalto hingegen hatte schon 1935 eine Kinderversion seines Schichtholzstuhles „Chair 65“ vorgestellt. Beide Kinderstühle werden heute noch produziert.

Stühle von Carl Hansen & Søn sind ein Erlebnis
Möbeldesign

Alles auf Anfang

Babybox, Finnland, 1937/2017
Babybox, Finnland, 1937/2017

Quelle: Kela / Annika Söderblom

Das Leben kann so einfach sein: Schwanger sein und nicht darüber nachdenken müssen, was man für das Neugeborene alles anschaffen muss. In Finnland bekommen Eltern eine Box mit allem Notwendigen ins Haus geschickt: Bodys, Leggings, Schneeanzug, Bettzeug, Pflegeprodukte. Und all das in schönstem finnischen Design, in der Tradition von Marimekko und Co. Seit fast 80 Jahren gibt es die finnische Babybox, erst mit Stoffen zum Selbernähen, seit 1957 mit fertiger Kleidung. Die Pappschachtel, in der die Ausstattung geliefert wird, kann außerdem als Babybett dienen. Finne[14] müsste man sein. Die Box und ihr Inhalt sind so beliebt, dass ein findiges finnisches Start-up seit ein paar Jahren für alle nicht finnischen Eltern ähnliche Boxen zusammenstellt und bis nach Übersee versendet.

Headbanging für Anfänger

Federwippe, Dänemark, 1971
Federwippe, Dänemark, 1971

Quelle: Kompan

Wenn Dreijährige heute mit wehenden Haaren auf bunten Motorrädern, Elefanten oder sonstigen Tieren[15] hin- und herwippen – und das auf Spielplätzen in aller Welt–, dann liegt das an Tom Lindhardt Wils. Der dänische Künstler entwarf 1971 die erste einer Serie von bunten Wipp-Skulpturen, deren Stahlfedern für den richtigen Wackelfaktor sorgen. Beeinflusst war Lindhardt Wils von den amorphen Spielgrotten und Kletterskulpturen des dänischen Künstlers Egon Möller Nielsen, der seine Installationen in Anlehnung an Le Corbusier „Spiel-Maschinen“ nannte. Der „Mudderkliren“ (dt.: Strandläufer) wird bis heute von der Firma Kompan hergestellt.

Noch mehr nordisches Design für Kinder gibt es bis zum 22.Oktober in der Ausstellung „Century of the Child“ im Felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin zu sehen. Mehr Infos hier[16].

Mehr Design-Geschichten unter ICONISTdesign auf Facebook [17]und Instagram[18].

Quelle:

www.welt.de

Fußnoten:

  1. ^ Kay Bojesen (www.kaybojesen-denmark.com)
  2. ^ Kopenhagen (www.welt.de)
  3. ^ Möbelhaus (www.welt.de)
  4. ^ Spielzeugs (www.welt.de)
  5. ^ Lastenfahrrad (www.welt.de)
  6. ^ Autohersteller (www.welt.de)
  7. ^ Hugdetta (www.hugdetta.com)
  8. ^ Islands (www.welt.de)
  9. ^ Olafur Eliasson (www.welt.de)
  10. ^ Little Sun (littlesun.com)
  11. ^ Solarleuchte (www.welt.de)
  12. ^ Architekten (www.welt.de)
  13. ^ Alvar Aalto (www.welt.de)
  14. ^ Finne (www.welt.de)
  15. ^ Tieren (www.welt.de)
  16. ^ hier (www.nordischebotschaften.org)
  17. ^ Facebook  (www.facebook.com)
  18. ^ Instagram (www.instagram.com)
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