Ein neuer Schritt ins Leben: Surrende Nähmaschinen und eine zerteilte Jeans

Thale –

Die Sekundarschule Thale-Nord steht auf den ersten Blick ziemlich verlassen in der Sommersonne. Doch der Eindruck täuscht. Hinter einem Fenster surren Nähmaschinen. Eine Ferienwoche lang treffen sich vormittags Schülerinnen zu einer Nähwoche.

„Das ist ein Übergangsprojekt von der Grundschule in die weiterführende Schule“, erklärt Schulsozialarbeiterin Franziska Höher. Sie gehört wie ihre Kollegin Ulrike Egner von der Geschwister-Scholl-Grundschule zum Projekt „Schulerfolg sichern“.

Übergang in die neue Schule soll vereinfacht werden

Ziel ist es, „neben dem globalen Lernen den Übergang in die neue Schule zu vereinfachen, indem die Kinder schon im Vorhinein neue Bekanntschaften schließen und die Schulsozialarbeiterin kennen lernen.“

Bereits im Vorjahr begann alles mit dem Kauf der Nähmaschinen und von Stoffen, was der Europäische Sozialfonds finanzierte. Damals nähte man Bekleidung, in diesem Jahr wird es eine Tasche sein.

Unter Leitung von Sozialarbeiterin Ulrike Egner (l.) nähten die jungen Schneiderinnen bunte Taschen.

Unter Leitung von Sozialarbeiterin Ulrike Egner (l.) nähten die jungen Schneiderinnen bunte Taschen.

Franziska Höher und Ulrike Egner, die beide beim Sozialzentrum Bode angestellt sind, erarbeiten in der Ferienwoche Antworten auf die Frage, ob ein T-Shirt wie in manchen Märkten wirklich nur 2,99 Euro kostet.

Alles über den Rohstoff lernen

Auf dem Tisch liegt ein Baumwollzweig. Am Montag haben die Kinder erfahren, wo die wächst, wie sie hergestellt und gefärbt wird, aber auch welch lange Wege sie zurücklegt, bevor sie als Bekleidungsstück im Laden landet.

„Uns geht es auch um die Arbeitsbedingungen der Menschen, die für den europäischen Markt nähen“, so Egner.

„Wie wertvoll ist das, was wir kaufen und was machen wir mit dem, was uns nicht mehr passt?“ „Man kann die Klamotten weitergeben, in den Kleidercontainer werfen oder zum Secondhandladen bringen“, haben sich die Kinder überlegt.

Selbst den Aufwand beim Nähen erfahren

Während Julia und Seine bereits zur Sekundarschule gehen, bereiten sich Pia und Lara aus Weddersleben auf diesen Schritt gerade vor. Sie beteiligen sich wie Serra, ein zwölfjähriges Flüchtlingskind aus Syrien, an der Nähwoche. Dabei erfahren sie selbst, wie aufwendig und zeitintensiv das Nähen ist.

Doch sie nähen nicht nur Taschen, sondern haben symbolisch eine Jeans zerschnitten. Jedes einzelne Teil verkörpert den Anteil, den die Beteiligten verdienen.

Das reiche von den Baumwollpflückern über das Spinnen in China und das Färben in Indien sowie das Weiterverarbeiten in Bangladesch bis in die westliche Welt, wenn die Hose verkauft werde. (mz)

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