Fliegende Fische über der Alb

Als sich der sechzehn Meter lange Blauwal hebt und über der Wiese schwebt, lächeln die Zuschauer. Sie haben spontan ihre Autos neben der L 230 bei Auingen geparkt, um aus der Nähe zu sehen, was sich hier am Himmel  so alles tut. Da lässt sich ein Krokodil durch die laue Sommerluft schaukeln, Walhaie glänzen im Sonnenlicht und bilden mit vier Delfinen eine sommerlich-luftige Kette. Faszinierend. Es wird viel fotografiert, andere stehen nur da und staunen, fühlen sich in den Zauber der Kindheit zurückversetzt.

Nicht ganz so  entspannt ist in diesem Moment Gunther Hipp aus Reutlingen. Schnüre haben sich verheddert. Gemeinsam mit Malte Hümme aus Oldenburg schafft er Ordnung. Mit Engelsgeduld. Es dauert nicht lange, da nehmen die Drachen wieder Fahrt auf. „Wenn ich ihnen  beim Spiel im Wind zuschaue, kann ich meine Seele baumeln lassen.“

Er musste erst stürzen, um dieses ungewöhnliche Hobby zu entdecken. Das war in den Achtzigern. Wegen einem Radunfall  konnte er keinen Sport treiben.  Basteln aber war möglich.

Es war die Zeit, als Peter Lynn mit seinen Lenkdrachen die ersten Erfolge feierte und sich eine Marke aufbaute. Ihm machte es Gunther Hipp nach. Ausschließlich im privaten Rahmen.  Der Fundus ist erstaunlich angewachsen. „An die 50 werden es schon sein,“  schätzt Hipp. Seine Begeisterung hat sich später auf die Familie übertragen. Seine Frau Uli, die Söhne Paul und Jakob haben unzählige Ferien auf der dänischen Wattenmeerinsel Fanø verbracht, wo an einem zwölf Kilometer langen und fünfhundert Meter breiten Sandstrand ideale Bedingungen herrschen. Erst  am Wochenende haben sich dort wieder Tausende zum weltweit größten Internationalen Kiteflyersmeeting getroffen.

 Gerne wäre Hipp dabei gewesen, aber Aufwand und Entfernung sind zu groß. Dann lieber auf die Alb. „Wenn sich hier Windräder drehen, muss es auch für Drachen reichen“, lacht er. Ab Stärke zwei kann er es versuchen.  „Besser ist drei und super ist vier.“  Was darüber liegt, ist kritisch. Dann stellt sich die Frage: „Wie kriege ich sie wieder runter?“

Mit Malte Hümme aus Oldenburg,  Jürgen Scholz aus Ulm und Rüdiger Krämer aus Ludwigsburg hat Hipp inzwischen Mitstreiter gefunden, die seine Leidenschaft teilen und mit ihm an einem Strang ziehen. In der Reutlinger Werkstatt wird Spinnaker-Leinen in allen Farben bestellt, das jeweilige Schnittmuster besprochen.  Jeder in der Clique  näht dann bis zum nächsten Treffen. Der Großteil ist handmade, hundert Arbeitsstunden für einen Drachen sind nicht ungewöhnlich.

Zwischendurch wird auch mal in Neuseeland bestellt. „Aktuell sind das Geckos.“ Und was fliegt  denen bald aus der eignen Werkstatt hinterher?  Gunther Hipp lacht. „Wir haben Krebse genäht, einen großen Tintenfisch, eigentlich reicht es dieses Jahr.“ Obwohl. „Guppys fände ich nicht schlecht.“ Wer die bunten Aquarienfische und Co am Albhimmel beobachten möchte, muss Glück haben. Denn auf Zeiten kann sich Hipp nicht festlegen. „Am Sonntag war ich oben an den Windrädern, da war kein Mensch in der Nähe.“

Eine Familie, die Urlaub auf der Hopfenburg macht, war am Freitag zur Stelle. Abenteuer auch am Boden: Die Kinder durften im Blauwal stehen, bevor der Koloss abhob und leicht durch die Lüfte segelte.

„Das ist der Moment, wo ich immer sehr aufgeregt bin“, sagt der Maler, der den Himmel so schön bunt macht.

Quelle:

www.swp.de

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