Die Pietenfelderin Susanne Ida Schiegl baut sich mit ihrem Design-Label „Raxn“ eine neue Existenz auf

Eichstätt: Leidenschaft für Stoffe Foto: Katrin Poese

Eichstätt

Für Susanne Schiegl hat sich in den vergangenen Jahren alles auf überraschende Weise gefügt. Das bisherige Ergebnis: Die Kindertherapeutin und vierfache Mutter hat nun einen neuen Beruf als Textildesignerin, das eigene Label „Raxn“ und einen Exklusiv-Vertrag mit einer großen Stofffirma. Für die Existenzgründer-Förderung der Stadt Eichstätt hat sie sich ebenfalls beworben.

Dabei hatte die Pietenfelderin eigentlich nie geplant, Unternehmerin zu werden. Ihr Werdegang ist einer, den erst das Internet möglich macht. Am Anfang war die Beschäftigung mit Stoffen und Mode für Susanne Schiegl nur ein Hobby. In der Elternzeit, ihr zweites Kind war gerade ein Jahr alt, entdeckte die junge Mutter das Nähen für sich – „vielleicht angeregt dadurch, dass es wieder in war“, sagt sie. Denn es gibt inzwischen eine ganze Szene von „Do-It-Yourself-Mamas“, die auf eigenen Blogs – ähnlich einem öffentlichen Tagebuch im Internet – ihre selbst genähten Sachen vorzeigen und sich über Stoffe und Schnittmuster austauschen. In diesen Kosmos tauchte Schiegl schnell ein. „Die Näh-Community ist eine Welt für sich“, erzählt sie. Die Kreativen kennen sich, einige der Bloggerinnen werden zu wiedererkennbaren Marken – so lief es auch bei Susanne Schiegl.

Im Mai 2014 ging ihr eigener Blog „Raxn“ (www.raxn.de[1]) online. „Ich habe nicht mit all dem gerechnet, was danach passiert ist“, sagt die 36-Jährige rückblickend. Denn ihre Ideen, ihre Fotos und ihr individueller Stil zu nähen schlugen in der Szene mächtig ein. Der erste Beitrag auf dem Blog war kaum veröffentlicht, da kamen schon die Anfragen. Schnittmusterersteller wollten die junge Mutter probenähen lassen, kurz darauf meldeten sich Stofffirmen aus Deutschland und Finnland. Diese Art der Werbung – Bloggerinnen testen Schnitte und Stoffe und zeigen sie auf ihrer Internetseite – ist gängig. Es ist eine Win-win-Situation, denn die leidenschaftlichen Näherinnen bekommen die Materialien dafür kostenlos. Ums Geldverdienen geht es dabei meistens nicht. Bei Susanne Schiegl war das anders. Als sie bald darauf ein paar Zeichnungen veröffentlichte, kam die Anfrage, die schließlich den Sprung in die Professionalität bedeutet hat: Eine Firma aus Hamburg schrieb, ob sie sich vorstellen könne, ihre Muster auf Stoff zu bringen.

Was dann folgte, war zunächst viel harte Arbeit. In den Nächten, wenn die inzwischen vier Kinder schliefen, arbeitete sich Susanne Schiegl in die Grundlagen des Grafikdesigns ein. Wie funktioniert die Software? In welcher Form muss man Entwürfe einreichen? „Am Anfang dachte ich, das kann ich nie“, erzählt die junge Unternehmerin. Aber inzwischen weiß sie: Es ist wie beim Autofahren. Der Umgang mit den neuen Werkzeugen automatisiert sich irgendwann. Im September 2015 erschien ihr erstes eigenes Textildesign. Die Stofffirma produzierte es mehrfach nach. Gegen Ende der Elternzeit, die sie nach der Geburt ihrer Zwillinge genommen hatte, traf Susanne Schiegl dann die Entscheidung, nicht in ihren Beruf als Kindertherapeutin zurückzukehren, sondern als selbstständige Designerin zu arbeiten.

Die ersten Schritte klappen gut. Eine Firma aus Hannover hat nun die exklusiven Nutzungsrechte, die „Raxn“-Muster auf Stoff zu bringen. Die 36-Jährige verdient dabei am Erfolg ihrer Entwürfe mit. In ihrem kleinen Designstudio in der Westenstraße können Besucher sich die Stoffe anschauen, die es sonst nur online zu kaufen gibt. Susanne Schiegl näht übrigens nicht für ihre Kunden. Das könnte man denken, denn in dem kleinen Designstudio stehen auch Nähmaschinen. Die 36-Jährige stellt damit aber nur die Beispielstücke her, die sie auf ihrem Blog zeigt. Neue Projekte sind schon geplant: Als Nächstes soll der passende Schmuck zu ihren Stoffen kommen. „Raxn“ steht inzwischen für eine weit über das Altmühltal hinaus bekannte Marke. Der Name bedeutet für die Designerin aber auch etwas sehr Persönliches. Ihr Vater, der früh gestorben ist, hat sie als Kind immer liebevoll so genannt. „Raxn ist ein Herzensprojekt, da musste der Name auch von Herzen kommen“, sagt Susanne Schiegl und lächelt.

Fußnoten:

  1. ^ www.raxn.de (www.raxn.de)
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