Bad Dürrheim: Bad Dürrheimerin Anneliese Rauh ist 90 Jahre alt: „Ich genieße das Leben, wie es kommt“

Bei Anneliese Rauh aus Bad Dürrheim klackert unentwegt die Nähmaschine. Nun ist sie 90 Jahre alt geworden. Langeweile kennt sie trotzdem nicht…

Bad Dürrheim (sgn) 90 Jahre ist die Bad Dürrheimerin Anneliese Rauh nun alt. Gefeiert hat sie ganz pragmatisch beim Essen mit Freundinnen im Café. Mehr hatte die Seniorin nicht vorgesehen. Langweilig wurde es ihr sicher trotzdem nicht, denn Arbeit hat sie immer.

Anneliese Rauh lebt in ihrem kleinen Häuschen in der Hofstraße, direkt neben dem Gasthaus Engel, das die Familie ihres Mannes früher betrieben hat. Sie hat zwar auch Dürrheimer Wurzeln, geboren wurde sie aber in Darmstadt. Dorthin hatte es ihre Mutter damals der Liebe wegen verschlagen. Der Umweg währte nicht lange: Nach Bombenangriffen kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges kam Rauh als junges Mädchen zu ihren Großeltern, hatte gerade ihre Schneiderlehre abgeschlossen. Bald traf sie hier dann ihren Ehemann Willi, mit dem sie 63 Jahre verheiratet war. „63 Jahre mit einem Mann, das gibt es heute nicht mehr so oft“, sagt sie und lacht. Zusammen mit ihm war sie 50 Jahre lang Mitglied im Trachtenverein, nähte sich ihre Tracht – die sie stolz aus dem Schrank holt – sogar selbst.

Auch im Kirchenchor erklang 50 Jahre lang ihre Stimme. Nur das Nähen als Beruf ausüben, das sollte sie nach ihrer Heirat nicht mehr. Ihr Willi legte Wert darauf, dass sie ganz für die Familie da wäre. Aus ihrer Ehe sind zwei Töchter, zwei Enkelinnen und ein Urenkel hervorgegangen. Zum Nähen hat Anneliese Rauh vor fünf Jahren zurückgefunden. Sie ist diejenige, die für das lustige Nähkörble im Generationentreff die ganzen Klammerkleidle fabriziert. Die Nähmaschine zu Hause klackert und klackert, bei den Treffen der handarbeitenden Frauenriege liegen immer schon Pullover und alle möglichen anderen Kleidungsstücke bereit, damit sie Knöpfe annähen kann.

90 Jahre alt soll sie nun also sein. Das sieht man Anneliese Rauh nicht an. „Und beim Nähkörble hat mir auch noch niemand gesagt, dass ich zu alt bin“, scherzt sie. Große Wünsche für die Zukunft oder Sorgen, die sie umtreiben, habe sie keine. „Für mich ist gut gesorgt und ich genieße das Leben, wie es kommt“, sagt sie und geht zurück an ihre Nähmaschine, um den Stoß der bunten Klammerkleidle zu vergrößern.

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