Schneiderin in Bennerscheid: Monika Adams: „Sorgfalt und Perfektion sind alles“

BENNERSCHEID. Eine der Letzten ihrer Art: Maßschneiderin Monika Adams aus Bennerscheid legt wert auf qualitätvolle Handarbeit.

Die Nähte sind schief, der Stoff verzogen, das Muster passt nicht korrekt zusammen, und sitzen tut das Ganze auch nicht wirklich perfekt – immer wieder springt Monika Adams ins Auge, wie schlecht die meisten Kleidungsstücke gearbeitet sind. Der Kunde nimmt’s anscheinend in Kauf – „Die Leute verlieren mehr und mehr das Bewusstsein dafür, dass es auch anders geht“, meint die Schneidermeisterin. Sie bedauert auch, dass sich die Wertschätzung verändert habe: „Wenn das T-Shirt nach dreimal waschen verzogen ist, dann kaufe ich mir eben ein Neues – es ist ja nicht so teuer.“

Verzogen, schief, zu eng, zu weit – das gibt es bei Adams nicht. Sie fertigt Kleidungsstücke an, „die genau so aussehen, wie man es sich vorgestellt, und die auch perfekt passen“, ganz gleich ob Sommerkleid, Kostüm oder Abendrobe. Zu ihr kommen vor allem Frauen, die etwas für einen besonderen Anlass suchen. In diesem Jahr feiert die gebürtige Niederkasselerin ihr Betriebsjubiläum: seit nunmehr 15 Jahren führt sie ihr Atelier in Bennerscheid. Es ist einer von nur noch knapp 2000 meistergeführten Schneiderbetrieben in ganz Deutschland, in der Region gibt es gerade mal eine Handvoll. Adams, die auch Vorstandsmitglied im Landesverband der Maßschneider ist, gehört zudem zu den wenigen im Lande, in denen junge Maßschneider noch mit Sorgfalt ausgebildet werden.

Alles von Hand genäht

Man könnte die berühmte Stecknadel fallen hören, an diesem Vormittag in dem kleinen Atelier in Bennerscheid. Surrende Nähmaschinen? Fehlanzeige. Dennoch wird hier fleißig gearbeitet – und zwar ganz still und leise von Hand. Den Fingerhut übergestülpt taucht Auszubildende Daniela Blum ihre Nähnadel sorgfältig in ein Stück Stoff ein. Säume oder zum Beispiel Knopflöcher mit der Maschine zu nähen ist quasi ein „no go“. „Natürlich findet auch die Nähmaschine ihren Einsatz, aber vieles wird bei uns tatsächlich von Hand genäht“, sagt Adams.

Genau genommen ist jeder Schneider auch ein Künstler: Schnittmuster entwerfen, Modelle mit wenigen Bleistiftstrichen gekonnt aufs Papier bringen oder passende Accessoires kreieren gehört zum Beruf dazu. Eine Tasche aus dem gleichen Stoff, aus dem auch das Kleid genäht ist, oder handgearbeitete Details, wie zum Beispiel liebevoll gestalteten Röschen zum Anstecken, sind sozusagen das Tüpfelchen auf dem i. „Das bekommt man nicht im Geschäft, dafür muss man zum Schneider gehen“, schmunzelt Adams.

Leidenschaft für Nadel und Faden

Wer sich heutzutage zum Schneider ausbilden lässt, hat seine Leidenschaft für Nadel und Faden zumeist schon in jungen Jahren entdeckt. Wie Adams, die als Jugendliche mit Begeisterung an Nähkursen der Volkshochschule teilnahm, oder Auszubildende Blum, die bereits schon als Kind aus ihren eigenen alten Anziehsachen Brautkleider für ihre Barbiepuppen kreierte. „Das ist auch das Schöne an unserem Beruf. man arbeitet immer mit Leuten zusammen, die ihren Job lieben.“ Wer nicht mit Leib und Seele dabei sei, „macht das nicht lange.“ Der Grund: Reichtümer kann man als Maßschneiderin in der Regel nicht verdienen.

Zwar sind die nach Maß angefertigten Kleidungsstücke nicht billig, doch stecken zum Beispiel in einem aufwendigeren Kleid locker rund 50 Arbeitsstunden. Wohl auch ein Grund, weshalb nur wenige junge Leute heute noch die dreijährige Lehre beginnen. „Die Berufsschulen haben Probleme, überhaupt eine Klasse voll zu bekommen“, berichtet Adams. Noch schwerer ist es, als Geselle eine Stelle zu finden. Für Blum zum Beispiel ist die Ausbildung daher auch nur ein Sprungbrett für die weiterführende Karriere: sie möchte Mode- und Kostümdesign studieren.

Sorgfalt und Perfektion sind alles

Sorgfalt und Perfektion sind alles in dem Beruf. „Man muss in allem hundertprozentig sein“, sagt Adams: „Das geht schon irgendwie, gibt’s bei uns nicht“. „Sitzt so einigermaßen“ könne man schließlich auch im Geschäft kaufen. Sie ist selbst immer schwer zufriedenzustellen mit ihrer eigenen Arbeit. Ist der Saum wirklich unsichtbar, die Naht absolut gerade? Notfalls wird aufgetrennt und neu genäht. Kein Wunder, dass Adams selbst nur selten eigene Kreationen trägt: „Ich komme einfach nicht dazu, etwas für mich zu schneidern. Die Kunden gehen vor.“ Zusätzlich zu den Maßanfertigungen bietet Adams auch Nähkurse an. Die Nachfrage ist riesig. Aus drei Kursen pro Woche am Anfang sind mittlerweile sechs geworden. Und weshalb ist das Selbernähen so attraktiv geworden? „Es geht darum, seine eigenen Ideen zu verwirklichen und am Ende etwas zu haben, was man mit eigenen Händen hergestellt hat.“

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