Betzenstein: Betzensteiner machen Kleider für argentinische Kinder – Pegnitz

Mann strickt mit über 80 Jahren Socken für den „Kleinen Laden“ — Erlös ist für Waisen bestimmt – vor 14 Minuten

Alle ist selbstgemacht: Gertraud Wiedemann näht ehrenamtlich (Wende-)Kleider, strickt Jäckchen und macht sogar Glückwunschkarten, die für den Kleinen Laden in Betzenstein verkauft werden. © Kerstin Goetzke


Gleich neben dem Treppenhaus hat Gertraud Wiedemann das ehemalige Büro ihres Mannes zum Laden eingerichtet. Auf Tischen befinden sich Wollsocken in sämtlichen Farben und Größen und Mützen verschiedenster Ausführungen; an Stangen hängen Kinderjacken, Wendekleider mit Tiermustern, die passenden Leggins dazu und vieles mehr.

Die Strickwaren liefern ein paar ehrenamtliche Frauen und ein Mann: Heinz Otto strickt mit über 80 Jahren noch Socken bis Größe 48. „Das ist Gold wert“, sagt Wiedemann, die froh ist, dass sie alle Sockengrößen im Angebot hat. Strickwaren haben zwar überwiegend im Winter Saison, aber wer im Sommer etwas braucht, wird auch in der warmen Jahreszeit fündig.

Sie selbst näht auch viel: Kleidung für Jungen und Mädchen, Schirmmützen mit Nackenschutz für Frauen und Stirnbänder. Alles sind Unikate. Sogar auf Wunsch können Kleidungsstücke gefertigt werden.

Bevor sie sich ans Nähen macht, wäscht sie alle Stoffe, damit sie nicht mehr eingehen können, erklärt die 66-Jährige. Die Schnittmuster hat sie weitgehend aus dem Internet. Und so strickt sie abends beim Fernsehschauen oder näht tagsüber in einem Zimmer, das sie extra für ihre Handarbeiten eingerichtet hat.

Für argentinische Kinder

Der Erlös kommt seit mehr als 25 Jahren einem guten Zweck zugute: Der Kleine Laden unterstützt die Christus-Bruderschaft in Triefenstein, welche in Argentinien eine Kindertagesstätte für Straßenkinder unterhält. Die Verbindung zu dem evangelischen Kloster im Kreis Main-Spessart ist durch Christian Hauter entstanden, der Ende der 1980er in Betzenstein Vikar war und mittlerweile Prior ist.

Durch die finanzielle Unterstützung aus Deutschland können die Kinder in Argentinien in die Schule geschickt und betreut werden. Und sie erhalten wenigstens einmal pro Tag eine warme Mahlzeit.

Vor etwa neun Jahren stand der Kleine Laden vor dem Aus. Herta Otto wollte nach 16 Jahren als ehrenamtliche „Chefin“ etwas kürzer treten. Doch bereits damals kündigte sie gegenüber unserer Zeitung an, dass sie weitermachen wolle, „solange meine Kraft reicht“.

Das hat sich bewahrheitet: Zusammen mit ihrem Mann strickt sie immer noch Socken für den Laden. Die frühere Betzensteiner Pfarrerin Martina Beck hat sich 2008 ebenfalls an der Nachfolgersuche beteiligt. Sie wolle den Kleinen Laden nicht aufgeben, weil er „den Blick auf die Armut in der Welt wach hält“, sagte sie einst.

Mützen und Schals gibt es für Groß und Klein — in vielen Variationen.


Zu Beginn der 1990er hatte der Kleine Laden einen Raum im Unteren Tor, wo zweimal pro Woche geöffnet war. Dort wurden Gebasteltes, Gestricktes und Kleidung aus zweiter Hand verkauft. „Einmal haben wir sogar einen gebrauchten Kinderwagen aufgetrieben, den wir weiterverkauft haben“, erinnert sich Wiedemann.

Später zogen die Ehrenamtlichen in das ehemalige Büro einer Heizölfirma, welches ihnen kostenlos überlassen wurde. Daher kommt der Name, der bis heute geblieben ist: „Wir hatten immer nur einen kleinen Raum, in dem wir unseren Laden untergebracht haben“, erklärt die fleißige Näherin, die auch für ihre Enkelkinder Kleidung näht.

Danach folgte der Umzug zu Gertraud Wiedemann, die sich von Anfang an für das Projekt engagiert hat. Die regelmäßigen Öffnungszeiten fielen weg. „Aber wer etwas haben möchte, kann sich gerne jederzeit telefonisch melden und wir machen einen Termin aus“, betont Wiedemann.

Helfer fehlen

Wie viel Geld im Jahr gesammelt wird, weiß die „Geschäftsführerin“ nicht genau. „Aber gefühlt ist es in den vergangenen Jahren weniger geworden, weil wir die festen Öffnungszeiten nicht mehr haben“, sagt sie. Es fehlt aber auch an Helfern, die sich in der Organisation einbringen. Und vor allem in den handwerklichen Arbeiten. „Es ist wie überall: Die Aktiven werden immer älter, und irgendwann geht es mit Projekten oder Vereinen nicht mehr weiter.“

Ein Projekt des Kleinen Ladens läuft aber seit Jahren in der evangelischen Gemeinde gut: Das „Café Argentino“. Zum Gemeindefest backen die Betzernsteinerinnen automatisch Kuchen und „die tollsten Torten“, die dann zu Gunsten der argentinischen Straßenkinder verkauft werden.

Gertraud Wiedemann ist unter der Telefonnummer (0 92 44) 1211 erreichbar. 

KERSTIN GOETZKE

29.05.2017 19:33 Uhr

25.05.2017 11:55 Uhr

20.05.2017 09:00 Uhr

18.05.2017 08:55 Uhr

17.05.2017 08:55 Uhr

09.05.2017 21:18 Uhr

09.05.2017 12:59 Uhr

09.05.2017 09:28 Uhr

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