Es wird genäht, bis die Nadeln glühen

Stetten am kalten Markt sz Langsam gehen die Vorbereitungen für das Stettener Spectaculum in die heiße Phase über. Es findet vom 21. bis 23. Juli statt. Bei der Bockzunft wird derzeit schon fleißig geschneidert, um noch fehlende Kostüme für das Mittelalterfest fertigzustellen.

Im Bockschuppen hinter der ehemaligen Dreschscheune zwischen Stetten und dem Ortsteil Nusplingen gibt Waltraud Kallenbach, versierte Hobbyschneiderin und Mitglied des Vereins, Anweisungen für das richtige Zuschneiden. Auf den Tischen liegen Leinenstoffe in Natur und Tannengrün aus. „Muss da noch eine Nahtzugabe dran oder ist die schon mitberechnet?“, fragt Kai Marquart und rückt ein Schnittmuster zurecht. „Ist schon dabei, du kannst also direkt an der Schnittmusterkante schneiden“, sagt Waltraud Kallenbach. Sie zückt ein Maßband und legt es um den Kopf von Herbert „Heppe“ Schittkowski. „Durchschnittsschädel“, konstatierte sie unter dem Gelächter der anderen, „mit Nahtzugabe musst du 60 Zentimeter zuschneiden“. Heppe, der während der Fasnet in der Regel den närrischen Zunftpolizisten gibt, grinst gutmütig und macht sich an die Arbeit.

Kopfumfang wird vermessen

Volker Beils Kopfumfang wird von Jessica Scheck vermessen, denn die speziellen Kappen, die mit Zipfeln und Glöckchen versehen an die Narrenkappen der Hofnarren erinnern, muss richtig sitzen. Die junge Frau mit dem lachsfarbenen Shirt gehört wie Waltraud Kallenbach zu den Profis der Bockzunft-Schneiderwerkstatt. Sie hantiert gekonnt mit der großen Schneiderschere, gibt den „Schneiderlehrlingen“ hilfreiche Tipps und ist da, wo immer sie auch gebraucht wird. „Sie ist eine wertvolle Stütze“, lobt Waltraud Kallenbach. „Aber ich bin nichts gegen Waltraud“, meint Jessica Scheck lachend. Die sei eine Powerfrau, die nicht nur die Schneiderwerkstatt der Bockzunft betreut, auch die offizielle Nähstube des Spectaculums sei ihr Revier (die SZ berichtete). Daneben sei sie berufstätig und eine Familie gebe es auch noch. „Stress ist ihr Hobby“, bringt Scheck die Umtriebigkeit ihrer Kollegin auf den Punkt.

„Mir macht das Nähen einfach Spaß“, meint Kallenbach. „So kann ich mein Hobby ausleben, bin mit netten Leuten zusammen und kann etwas bewirken.“ An einem weiteren Tisch konzentriert sich Carmen Weingast auf ihre Zuschneidearbeiten. Sie erzählt, dass sie beim Spectaculum im Jahr 2013 noch nicht dabei war und sich nun freut, mitwirken zu können. „Deshalb schneidere ich mir hier unter Anleitung von Waltraud ein Kostüm.“

Herbert Schittkowski findet das Zuschneiden öde, er will lieber nähen. „Okay, wenn du meinst, du kannst das, dann ran an die Maschine“, sagt Waltraud Kallenbach und macht resolut eine Nähmaschine startklar. Nach kurzer Einführung umkettelt „Heppe“ die Schnittkanten und erweist sich dabei als echtes Naturtalent. „Vielleicht war er im früheren Leben das tapfere Schneiderlein“, meint einer spitzbübisch. Waltraud Kallenbach gibt bekannt, dass bald ein weiterer Termin im Bockschuppen anberaumt ist: „Dann wird genäht, dass die Nadeln glühen“. Wie zur Bestätigung gibt „Heppe“ Gas und rattert eine weitere Naht herunter.

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