Donaueschingen: Begeisterung kennt kein Alter – Donaueschingen

Grüne Wiesen, bunt gefärbte Blätter und ein herbstlicher Wind. Der Drachen erhebt sich in die Lüfte und steigt höher und höher.

Donaueschingen[1] (jak). Für die meisten ist das Drachensteigen lassen verknüpft mit der Kindheit. Nicht so für die eifrigen Bastler, die in der Donaueschinger Kunstschule zusammensitzen. Die Schere gleitet durch dünnen Stoff, die Singer-Nähmaschine rattert, und Robert Brasington gibt Tipps.

Brasington kommt von der australischen Insel Tasmanien. In Donaueschingen ist er kein Unbekannter, schließlich waren seine Kreationen schon oft am Himmel der Baar zu sehen. Und in der Drachenbauer-Szene kennt ihn sowieso jeder. „Wir sind hier alle ein bisschen tako-kichi“, erklärt Andrea Deberling.

Übersetzt bedeutet das japanische Wort „drachen­verrückt“, und es trifft es ziemlich gut. Die meisten hier haben bereits mehr als 100 Drachen gebaut. Doch etwas Neues kann man immer lernen: „Die meisten haben die Technik nicht gekannt“, sagt Wolfgang Hornung aus Donaueschingen und Mitglied des Drachenclubs der Baar. Die roten, gelben und schwarzen Stoffbahnen werden vor dem Nähen mit Sprühkleber fixiert, damit auch ja nichts verrutscht. Doch die Technik hat auch Nachteile: „Ich muss nachher erst einmal meine Nähmaschine putzen. Hier klebt alles“, klagt Vereinskollege Wolfgang Karrer.

Ein Blick durch die Runde zeigt: Hier sitzen deutlich weniger Frauen an den Nähmaschinen. Doch eine reine Männerdomäne ist das Drachenbauen bei Weitem nicht mehr. Das sah noch ganz anders aus, als Petra Fink vom Drachenbau-Virus infiziert wurde. Nach ein paar Besuchen auf Drachenfesten stellte sie schnell mit ihren beiden Freundinen fest: „Die wirklich schönen Drachen kann man nicht kaufen, die sind alle selbst gebaut“, sagt die Frau aus Sigmaringen. Als sie sich für einen Drachenbaukurs anmelden wollten, bekamen die Drei jedoch zu hören: „Frauen machen hier nicht mit.“

Virus wirkt ansteckend

Der Ehrgeiz war geweckt. Den ersten Drachen bauten die Freundinnen nach einer Anleitung, die aus dem Französischen übersetzt werden musste. „Ein paar Jahre später haben wir dann sogar Gastflieger gebraucht, weil wir mehr eigene Drachen dabei hatten, als wir steigen lassen konnten“, erinnert sich Fink.

Doch eigentlich ist das Bauen der Drachen viel interessanter als das Steigen lassen: So geht es auch Meggi Walter. Über ihren Mann kam sie zum Drachenbauen. Während Bernard Clerc sein Augenmerk eher auf die technischen Details legt, gefällt es ihr, Bilder auf den Drachen zu projizieren. Und wie viel Exemplare hat das Ehepaar nun gebaut? „Das ist die Quizfrage. Es dürften so 150 Drachen sein“, sagt Walter. Wer vom Drachenbau-Virus gepackt wurde, werde eben zum Jäger und Sammler. „Mir macht in erster Linie das Bauen Spaß, natürlich lässt man die Drachen dann auch irgendwann steigen.“

Die wenigstens sind hier, weil sie sich die Drachenbegeisterung aus der Kindheit bewahrt haben. Auch nicht wegen der eigenen Kinder: „Meine drei Söhne konnte ich nicht begeistern. Vielleicht klappt’s beim Enkel“, sagt Petra Fink.

Fußnoten:

  1. ^ Donaueschingen (www.schwarzwaelder-bote.de)
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