Meierstorf: Ein Pastor, der auch nähen kann

Markus Lehmann sorgt für Zuwachs im größten Kleiderschrank des Landes. Mehr als 10 000 Original-Kostüme im Fundus.

Das Problem kennt fast jeder: Im Kleiderschrank wird es spätestens nach einer Shoppingtour eng. Doch ein Mann nimmt es gelassen. Markus Lehmann hat sich für seinen Traumkleiderschrank zunächst das passende Haus gesucht. „Auf dem rund 200 Quadratmeter große Dachboden wird es langsam eng“, meint er mit einem verschmitzten Lächeln. Rund 10 000 Kleidungsstücke – die genau Zahl lässt sich schwer ermitteln – sind gut sortiert auf den XXXL-Stangen untergebracht. Und es werden immer mehr. Der pensionierte Pastor, den es 2005 aus der Metropole Hamburg ins beschauliche Meierstorf zog, sammelt nicht nur ausrangierte Theaterkostüme, sondern setzt sich gerne zusammen mit seiner Frau Jutta Burmester auch an eine der sieben nostalgischen Nähmaschinen, um auf Kundenwunsch passende Sachen zu nähen. Gerade hat er vier Kleider fertig gestellt, die in einigen Wochen öffentlich zu sehen sein werden. „Vielerorts werden Dorfgeburtstage gefeiert und Festumzüge organisiert. Da werden für ein schönes und mitunter historisch anmutendes Bild Kostüme früherer Zeiten benötigt. So werden vier Landfrauen von Ziegendorf eins unserer Kleider tragen“, freut sich Markus Lehmann. Nach historischem Vorbild und auf einer Nähmaschine, die ebenfalls Geschichte erzählen kann haben die Meierstorfer auch dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt. „Die Nähmaschine gehörte der früheren Gewandmeisterin des Deutschen Schauspielhauses Marlies Albrecht. Sie hat sie mir hinterlassen und ich halte die Erinnerung in Ehren“, sagt Markus Lehmann.

In Hamburg hatte er als Pastor jahrelang auch hautnahen Kontakt mit einem Theater, das im Erdgeschoss einen Saal bespielte. Der Drang zum Theater war dem Jungen in die Wiege gelegt worden. Als 1992 die Hamburger Kammerspiele in Konkurs gingen, entschloss sich Markus Lehmann zusammen mit seinem Freund, dem Theatertechniker Rainer Richartz, den kompletten Fundus zu ersteigern, um das Lebenswerk der Prinzipalin Ida Ehre zusammen zu halten. Damit war der Grundstock für Lehmanns „Fundus“, der nun seit mehr als zehn Jahre im mecklenburgischen Meierstorf zu Hause ist, gelegt.

Neuankäufe, Schenkungen und die selbst genähte Stücke füllen den riesigen Kleiderschrank auf dem Dachboden des über 200 Jahre alten Gutshauses. Damit können vom Altertum über das Mittelalter bis in die 1970er Jahre alle Zeiten abgedeckt werden. „Meine Kostüme sollen weiter arbeiten“, ist Markus Lehmann wichtig. Denn schließlich betreibt er im Unruhestand den „Fundus“ als anspruchsvollen Kostümverleih.  

Quelle:

www.svz.de

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