Seltenes Handwerk: Bitterfelder repariert Modelltechnik und Nähmaschinen

Bitterfeld –

Er hat ein wenig von Bill Gates, denn seine Selbstständigkeit begann in der heimischen Garage. Nur hat er es nicht zu solchem Reichtum wie der Amerikaner gebracht.

Was Reinhardt Hensel aber reich macht, sind die zufriedenen Kunden, die ihre Technik nach der Reparatur wieder nutzen können. Speziell sind das alte, aber auch neue Nähmaschinen. Geht nicht, gibt es bei dem 66-Jährigen in Bitterfeld nicht.

Reinhardt Hensel hatte von früh an Interesse für Technik

Angefangen hat bei Reinhardt Hensel das Interesse für die Technik damals schon in der Schule in Sandersdorf. In den Nadelarbeitsstunden habe er den ersten Kontakt zu einer Nähmaschine bekommen, erzählt er.

Reinhardt Hensel

Reinhardt Hensel inmitten seines Reiches aus Modellen und Nähmaschinen

Foto:

André Kehrer

Das habe ihn sein Leben lang nicht mehr losgelassen, auch wenn der gelernte Flugzeugmechaniker zwischenzeitlich mit größeren Agrarflugzeugen zu tun hatte.

Auch die Tätigkeit außerhalb der Schule in einer Arbeitsgemeinschaft Schiff und Modellbau in Sandersdorf sei mit ausschlaggebend für den Berufswunsch gewesen.

Nach der Armeezeit eröffnete er seinen ersten Laden

„Die Arbeit bei der Interflug nach der Armeezeit war sehr interessant, ich habe sie aber im Juli 1989 beendet“, beschreibt Hensel seinen ersten Schritt zum eigenen Geschäft, das nur drei Monate später in der Dürener Straße eröffnet wurde.

Nach einem Umzug in die Walther-Rathenau-Straße kann man Reinhardt Hensel und seine Frau Martina jetzt in der Mühlstraße gleich neben der MZ besuchen und aus dem reichhaltigen Angebot an Eisenbahntechnik, Flugmodellen und vielen Ersatzteilen auswählen.

Der Bitterfelder kennt die Schwachpunkte der Modelle

Dass das alles nicht im Selbstlauf geschieht, kann Hensel anhand der vielen Modelle und Typen erklären. „Ich war bei vielen Firmen direkt zu Schulungen und habe gelernt, was die Schwachpunkte sind.“

Sogar einzelne Prüfungen habe er dort ablegen müssen. Nur so könne man auf dem Markt mithalten und immer wieder die Kunden anziehen. Mittendrin, in dem fast babylonischen Gewirr aus Kisten und Schachteln, tauchen aber immer wieder Nähmaschinen auf.

Nähmaschine aus Schweden

Ob Veritas, Pfaff oder Singer, Hensel kennt sie alle und vor allem ihr Innenleben. „Ich weiß gar nicht genau, wie vielen Frauen ich mit der Reparatur der Maschine geholfen habe“, meint er.

Als Beweis dafür nennt er auch eine Maschine, die Urlauber aus Schweden mitgebracht und nach der Instandsetzung wieder mitgenommen hätten. Diese Arbeit habe sich nach der Wende noch weiter ausgeweitet, da niemand mehr mit der alten Technik umgehen konnte.

Zusammenarbeit mit seiner Frau

Ein großes Lob spricht Hensel in diesem Zusammenhang seiner Frau aus. „Diese Arbeit geht nur, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht“, weiß er.

Während er selbst sich mit der Technik und der Reparatur beschäftige, habe seine Martina sämtliche Modelle, Bezeichnungen und auch Kundenwünsche im Kopf. Sie sei so etwas wie ein wandelndes Fachbuch und gleichzeitig auch der perfekte Menschenkenner.

„Sie kennt unsere Kundschaft genau und weiß schon, was der Einzelne wünscht“, lobt der Firmenchef seine Frau. „Das wir so lange schon am Markt sind hat auch mit unser beider Engagement für unsere Kunden zu tun“, weiß Hensel. (mz)

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