„Gaberseer Windel“ macht weniger Müll

Vermeiden, Trennen, Wiederverwerten – ein umweltbewusster Umgang mit Abfall- und Wertstoffen wird in Wasserburg immer wichtiger. Die Einzelhändler und Supermärkte bieten ihren Kunden an, zusätzliche Verpackungen direkt hinter der Kasse zu entsorgen. Das Gaberseer Bezirkskrankenhaus spart mit einem neu entwickelten Konzept rund 40 Prozent Abfall ein.

Wasserburg – „So wie’s gedacht war, wird es sicher nicht gehandhabt“, sind sich Josef Blank und Wolfgang Hirschstetter, beide Marktleiter beim Singer, sicher. Gemeint ist die neue Verpackungsverordnung. Seit rund einem Monat besteht die Möglichkeit, beim Einkaufen die sogenannte „Umverpackung“, also eine Zweitverpackung um ein Produkt, im Geschäft zu lassen. Dies läuft jedoch noch recht zäh an. Die an der Kasse aufgestellten Sammelbehälter für Plastik, Folie, Papier und Pappe werden oft als Abfalleimer missbraucht. Viele Kunden hält der zusätzliche Zeitaufwand vom Auspacken ab, andere befürchten, ohne die Zweitverpackung bei Reklamationen oder Umtausch der Ware mit Problemen konfrontiert zu werden.

Gabersee – Einigen Schwestern wurde es zu bunt: Sie zeichneten ein Schnittmuster, probierten die Passform gegenseitig, setzten sich an die Nähmaschine und entwickelten so den ersten Prototyp einer Windel, auf die es mittlerweile ein Patent gibt. „Gaberseer Windel“ nennt sich das Produkt, das entstanden ist, weil man sich im Bezirkskrankenhaus Gedanken gemacht hat, wie Müll vermieden und getrennt werden kann. Die „Gaberseer Windel“ lässt sich 200- bis 300-mal waschen, reduziert den Abfall um 70 Kubikmeter. In Amerika werden die Windeln produziert, die ersten Exemplare sollen bald ausgeliefert werden. Zwei Stationen in Gabersee werden damit ausgerüstet.

Besteht das Produkt den Probelauf, sparen die waschbaren Windeln möglicherweise bald riesige Abfallmengen auch an anderen Krankenhäusern.

Müll gespart wird im Inn-Salzach-Klinikum auch in anderen Bereichen. Reinigungsmittel werden nur noch in 200-Liter-Fässern gekauft, die Milch liefert die Molkerei in großen Kannen, in allen Stationen stehen Wertstoffsammelwägen für den wiederverwendbaren Abfall. Nicht auf Anordnungen von „Oben“ warten wollte man im Bezirkskrankenhaus. Die Mitarbeiter der Klinik sollten aus ihren Erfahrungen am Arbeitsplatz Vorschläge zur Reduzierung des Müllbergs im eigenen Haus einbringen. Entstanden ist dabei ein Konzept, das nach einem Jahr mit deutlichen Zahlen für sich spricht: 94 der vorher 260 Mülltonnen konnten an die Stadt Wasserburg zurückgegeben werden.

Weitere Meldungen in der Woche vom 2. bis 7. Mai 1992

Washington – Die US-Regierung schickt zur Eindämmung der Unruhen in Los Angeles 4000 Soldaten in das kalifornische Krisengebiet. Auslöser der schweren Rassenkrawalle, bei denen bisher 31 Menschen starben, war der Freispruch von vier Polizisten, die der Misshandlung eines schwarzen Autofahrers angeklagt waren. Hunderte von Plünderern tobten durch Los Angeles und legten Teile der Stadt in ein rauchendes Trümmerfeld, indem sie über 1500 Brände entfachten. Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit einer völlig überforderten Polizei.

Madrid – Spaniens Toreros sind aus Protest gegen das neue spanische Stierkampfreglement, das bereits einen ihrer Kollegen das Leben gekostet hat, in einen unbefristeten Streik getreten. Angeführt wird der Ausstand von den Lanzenreitern „Picadores“. Sie wehren sich dagegen, dass das Gewicht ihrer Pferde auf 650 Kilo begrenzt wurde, damit sie dem Stier nur noch leichtere Lanzenstöße versetzen können und dessen Kraft für den Kampf mit dem Torero erhalten bleibt.

Paris – Der Meeresforscher Jacques Cousteau ist der populärste Franzose im eigenen Land. Ihm folgen der Arbeiterpriester Abbe Pierre, der sich der Fürsorge für Obdachlose verschrieben hat, und die TV-Journalistin Anne Sinclair. Staatspräsident Francois Mitterand landete nur auf Platz 30.

München– Die CSU-Medienpolitiker wollen stärkere Sanktionsgesetzte im bayerischen Mediengesetz verankern und so gegen die Darstellung von Gewalt im Fernsehen vorgehen. Fraktionschefin Anneliese Fischer bezeichnete vor allem die „saubere Gewalt“ in Comic-Serien, bei der kein Blut und keine Wirkung von Gewalt zu sehen sei, als sehr gefährlich. Gewalt werde darin häufig als legitimes Mittel zur Konfliktlösung dargestellt.

Köln – Nicht nur für Hunde, auch für Katzen sind Spielplätze tabu, urteilt das Amtsgericht in Köln und verbot einer Tierfreundin, ihre Katze auf einem in der Nähe ihrer Wohnung gelegenen Spielplatz laufen zu lassen – aus hygienischen Gründen.

Bonn – Die Post hat die erste Ziffer der neuen, fünfstelligen Postleitzahlen vergeben, die ab Juli 1993 gelten sollen. Die Null geht als erste Kennziffer an Sachsen und Teile von Sachsen-Anhalt. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Werner Münch, beschwerte sich prompt darüber: „Wir wollen die Null nicht. In dieser hoch technisierten Zeit muss es die Bundespost doch schaffen, die Null im neuen System auszusparen.“

Zurück zur Übersicht: Wasserburg[1]

Fußnoten:

  1. ^ Wasserburg (www.ovb-online.de)
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