Sportsprache: Von Nähmaschinen, Muffeln und Granaten – Regionalsport

Von Claus Weber

Heidelberg. Neulich rief eine besorgte Leserin in der Redaktion an. Ob man sich Sorgen machen müsse, fragte sie, weil sie in einem Artikel über das Ringen gelesen habe, ein Durchdreher hätte zum Sieg geführt. Wir konnten die ältere Dame beruhigen: Niemand ist an dem Kampfabend zu Schaden gekommen.

Wir mussten ihr allerdings zustimmen: Die Sportsprache ist mitunter schwer zu verstehen, weil viele Fachbegriffe entweder irreführend, zweideutig oder militaristisch angehaucht sind.

Wussten Sie zum Beispiel, dass Biathleten eine Nähmaschine bekommen können? Nein, niemand muss zu Nadel und Faden greifen. Es handelt sich vielmehr um ein Phänomen, bei dem Athleten am Schießstand plötzlich die Beine schlottern – und das trägt natürlich nicht zur Zielsicherheit bei.

Oder war ihnen bekannt, dass auf dem Trampolin auch Muffel mitspringen? Es handelt sich dabei allerdings nicht um schlecht gelaunte Athleten, sondern um einen Dreiviertelsalto rückwärts aus dem Rücken in den Stand. Irreführend klingt es auch, wenn Gewichtheber Löcher bauen. Denn es beutet nicht etwa, dass den Stemmern die Hantel aus den Händen geglitten und durch den Bühnenboden gekracht wäre. Ein Loch baut vielmehr, wer im Reißen oder Stoßen keinen einzigen gültigen Versuch in die Wertung bringt.

Und wenn von einem Bauerntrick die Rede ist, geht’s übrigens weder um einen besonders findigen Landwirt und schon gar nicht um eine Straftat. Sondern um einen cleveren Eishockeyspieler, der von hinten ums Tor fährt und den Puck ganz eng am Pfosten vorbei ins Netz schiebt.

Vor längerer Zeit beschwerte sich ein Leser über die Formulierung, der SV Sandhausen hätte mit dem Pokalsieg bei einem unterklassigen Klub seine Kriegskasse gefühlt.

Wir müssen zugeben, dass es im Sport mitunter tatsächlich wie im Krieg zugeht. Wenn nämlich Truppen aufmarschieren, Gegner geschlagen, Angriffswellen gefahren oder Abwehrschlachten geführt werden. Wenn Bälle wie Geschosse einschlagen oder Torleute Granaten entschärfen. Wir versprechen hiermit, uns künftig um verbale Abrüstung zu bemühen.

Doch auch andere Sprachbilder sollten keinesfalls wörtlich genommen werden. Beispielsweise wenn von dreckigen Siegen die Rede ist, wenn Kellerkinder aufeinander treffen, Spieler körperlos agieren oder Sieger glückselig einen Dreier feiern

Übrigens: Ein Durchdreher bezeichnet einen Griff, mit dem der Angreifer seinen Gegner über die Schultern rollt und dafür zwei Punkte kassiert. Spätestens seit dem Anruf der Leserin sind wir sensibilisiert und haben weitere Fachbegriffe aus dem Ringer-Jargon wie die „Brustklammer“ oder den „Spaltgriff“ aus unserem Sprachgebrauch gestrichen.

Quelle:

www.rnz.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s